Latein und Griechisch leben - Paulinum beim Fremdsprachenwettbewerb
Diese Bewerbe zeigen, dass Klassische Sprachen keine Relikte vergangener Zeiten sind. Sie sind eine Schule des Denkens. Sie fördern Analysefähigkeit, Urteilskraft, sprachliche Präzision und historisches Bewusstsein – Kompetenzen, die heute mehr denn je gefragt sind. Viele unserer zentralen Begriffe – Republik, Verantwortung, Recht, Gemeinwohl – haben eine lange Geschichte. Oder, um es in einem Bild zu sagen: Radices altae, fructus dulces. – Tiefe Wurzeln tragen reiche Früchte.
Nachdem sich die Schüler:innen am Vormittag bei der Olympiade selbst in rebus classicis mit starken Leistungen profilieren konnten, erwartete sie am Nachmittag ein ebenso spannendes Programm am Institut für Klassische Philologie und Neulateinische Studien.
Insgesamt nahmen mehr als 50 Schüler:innen aus Tirol und Südtirol am Wettbewerb teil. Ihnen wurden diesmal Texte aus der antiken Geschichtsschreibung vorgelegt: Die Griechisch-Gruppe beschäftigte sich mit Arrians Darstellung des Alexanderzuges, die Latein-Gruppen mit der römischen Geschichte des Ammianus Marcellinus. Dabei ging es nicht nur um das Übersetzen der Texte. Auch Interpretationsfragen standen auf dem Programm – etwa zu Themen wie Propaganda, der Wahrnehmung fremder Völker, Medien oder Demokratie.
In einem dreiteiligen Workshop durften sie erleben, wie vielseitig die Welt der Alten Sprachen eigentlich ist. Den Auftakt des Workshops bildete ein besonders unterhaltsamer Programmpunkt: Bekannte Filmszenen auf Latein synchronisiert. Neben Ausschnitten aus Gladiator und The Karate Kid sorgte vor allem der inzwischen ikonische Satz “Ego pater tuus sum” aus Star Wars Episode V – The Empire Strikes Back für kollektives Schmunzeln – selten klang Latein so filmreif.
An der nächsten Station erhielten die Teilnehmer:innen Einblicke in die Sondersammlungen der Universität. Besonders beeindruckend waren prachtvolle Ausgaben von Vergil aus dem 16. Jahrhundert – Bücher, bei denen man plötzlich merkt, dass Latein weit mehr ist als nur Vokabeltraining und Übersetzungen.
Den Abschluss bildete eine kurze, aber faszinierende Präsentation von Lev Shadrin, der zeigte, wie Künstliche Intelligenz heute auch in der Forschung zu Latein und Griechisch eingesetzt werden kann. Spätestens da wurde klar: Die Alten Sprachen sind alles andere als verstaubt – und KI und Latein müssen sich keineswegs ausschließen.
Auch der ORF berichtete über den Wettbewerb der Klassischen Sprachen.
Den Beitrag können Sie hier ansehen: Altgriechisch- und Latein-Kräftemessen in Innsbruck.