Lernen auf See

von Birgit Christ
22. Juni 2026

Ziel der Familie Schwörer ist es, Kindern und Jugendlichen auf der ganzen Welt zu zeigen, wie Natur- und Klimaschutz gelingen kann. Dabei machen sie nicht nur auf Probleme aufmerksam, sondern suchen und präsentieren sogenannte Best-Practice-Beispiele – Projekte und Ideen, die zeigen, wie Menschen nachhaltig leben und die Umwelt schützen. Unter dem Motto "Explore - Inspire - Act" möchten sie andere dazu inspirieren, selbst aktiv zu werden​​.

Während meines Aufenthalts durfte ich die Familie bei Schulbesuchen in der Region Ålesund begleiten, die beiden Kinder Mia und Vital unterrichten und den Alltag mit den Schwörers verbringen.

Ein Höhepunkt war der Besuch einer kleinen Schule im Hjørundfjord. Nach einem Vortrag über die Expedition besichtigten die Schülerinnen und Schüler das Segelboot. Dabei fanden 40 Kinder gleichzeitig Platz an Bord! Ein neuer Rekord für die „Pachamama“.

Neben den Schulbesuchen bekam ich auch einen Einblick in das Leben an Bord. Die beiden Kinder, acht und zehn Jahre alt, werden auf der Reise unterrichtet und verbinden Lernen ganz selbstverständlich mit Bewegung, Naturerfahrungen und praktischen Aufgaben. Besonders beeindruckt hat mich die körperliche Fitness der Kinder: Bei Bergtouren bewältigten sie bis zu 1.500 Höhenmeter an einem Tag – und das ohne ein einziges Mal zu jammern.

Der Unterricht fand häufig draußen statt. „Lernen in Bewegung“ war ganz normal. Mathematik, Sprachen, Geografie, Naturwissenschaften und Umweltbildung wurden immer wieder mit den Erlebnissen des Tages verknüpft. Beim Wandern, Radfahren, Segeln oder Erkunden neuer Orte entstanden viele authentische Lernsituationen. Lernen ist also keineswegs auf ein Klassenzimmer beschränkt.

Auch die gemeinsamen Abende an Bord bleiben in besonderer Erinnerung. Nach den Erlebnissen des Tages wurde gelesen, erzählt und zugehört. Gemeinsam tauchten wir in die Abenteuer des „Räuber Hotzenplotz“ ein, lasen weitere Kinderbücher und hörten Geschichten vom „Sams“. Diese ruhigen Momente bildeten einen schönen Ausgleich zu den aktiven Tagen in der Schule, auf See und in den Bergen.

Die Familie Schwörer vermittelt ihre Botschaft nicht nur, sie lebt sie. Das Segelboot wird mit Wind- und Sonnenenergie betrieben, Reisen werden möglichst umweltfreundlich gestaltet, und bei ihren Besuchen suchen sie gezielt nach Menschen, die nachhaltige Lösungen entwickelt haben. Besonders spannend war der Besuch einer Wasserstoffanlage, die eindrucksvoll zeigte, wie innovative Technologien nachhaltige Energie bereitstellen können.

Ein gemeinsamer Strand Clean-up machte Umweltschutz schließlich ganz konkret erlebbar: Statt nur darüber zu reden, wurden wir selbst aktiv und leisteten einen kleinen Beitrag zum Schutz der Natur. Dabei wurde auf erschreckende Weise deutlich, wie viel Plastik sich in der Natur ansammelt und wie leicht es über Bäche und Flüsse irgendwann im Meer landet.

Jede und jeder könnte leicht einen Beitrag zum Schutz unserer Erde leisten, auch wir am Paulinum – zum Beispiel durch wiederverwendbare, wiederbefüllbare Trinkflaschen, den bewussten Verzicht auf Einwegplastik und das richtige Trennen von Müll.

Für mich war diese Zeit eine außergewöhnliche Erfahrung. Die Begegnungen mit der Familie Schwörer und den vielen netten und interessanten Menschen in Norwegen werden mir wohl für immer in Erinnerung bleiben.

Ich danke der Familie Schwörer herzlich für die Gastfreundschaft und die Möglichkeit, Teil dieser besonderen Expedition zu sein. Gleichzeitig freue ich mich schon sehr auf das kommende Schuljahr – auf neue gemeinsame Projekte wie „conRAD“ (das gemeinsame In-die-Schule-Radln) und auf viele weitere Ideen, die dazu beitragen, unsere Natur zu schützen.

Habt schöne Ferien und kommt gesund, motiviert und am besten mit dem Rad, zu Fuß oder den Öffis im Herbst wieder in die Schule.

Mia und Vitals und auch eure Lehrerin Birgit Christ